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Rückblick BAU ONLINE: Bauen zu Zeiten des Klimawandels – Experiment und Effizienz

Um den Klimawandel in den Griff zu bekommen, ist auch der Gebäudesektor gefordert. Unser Autor Thomas Geuder verfolgte während der BAU ONLINE eine Diskussionsrunde mit Politikern, Wissenschaftlern und Forschern.

Diskussionsteilnehmer:

  • RDir'in Silke Jung (BMU, als Referatsleiterin zuständig für das Thema Anpassung an den Klimawandel)
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Joachim Schellnhuber (Director Emeritus Potsdam Institute for Climate Impact Research e. V.)
  • Marco Schmidt (wissenschaftlicher Referent am BBSR, TU Berlin)
  • Prof. Dr.-Ing. Heiko Sieker (TU Berlin)

Der Klimawandel ist allgegenwärtig, auch in Deutschland. Zum Schutz des Klimas kann der Gebäudesektor einen wichtigen Beitrag leisten, denn Gebäude sind für bis zu 30 % der nationalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Wichtig ist jedoch auch ein klimaangepasstes Planen und Bauen, denn die Folgen des Klimawandels wirken sich schon heute unmittelbar auf den Gebäudebestand und damit auf die Gesellschaft aus.

Das große Ziel, bis zum Jahr 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen, ist eine der derzeit wichtigsten Triebfedern im Gebäudesektor. Die Folgen des Klimawandels können hier merklich reduziert werden. Der Handlungsdruck ist groß: 2020 war das bisher wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Wetterextreme wie Hitze, Starkregen, Hochwasser und Sturm haben deutlich zu genommen. Die Gefahr ist erkannt, nun gilt es herauszufinden, wie Bauwerke künftig gestaltet werden müssen, um dem Klimawandel und seinen Folgen begegnen zu können. Ein Weiterbauen wie bisher kann nicht die Antwort sein.

Deutsche Anpassungsstrategie

Neben dem Klimaschutz ist ein klimaangepasstes Bauen einer der wichtigsten Schritte für die Zukunft. Mehr noch: Im Sinne des nachhaltigen Bauens müssen übergeordnete Klimastrategien gefunden werden. Damit beschäftigt sich bereits seit 2008 die „Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ (DAS). Die Initiative des Umweltbundesamts identifiziert Risiken als Folge des Klimawandels und benennt mögliche Ziele und Maßnahmen. Ein zentraler Ansatz dabei ist das gemeinsame, interdisziplinäre Handeln. Die Maxime der DAS folgt dabei der Entwicklung einer urbanen, blaugrünen Infrastruktur, mit der die Lebensqualität in den Städten gesichert, gleichzeitig das Klima geschützt und die Folgen des Klimawandels gemindert werden können.

Klimaresiliente Architektur

Viele Ideen zur baulichen Anpassung und in der Folge zum Klimaschutz liegen bereits auf dem Tisch. So können etwa Gebäude den steigenden Flächenversiegelungsprozess kompensieren, indem man sie begrünt (Dach, Fassaden), weil dadurch eine Steigerung der Umgebungswärme sowie eine Verringerung der Verdunstungskühlung vermieden werden. Blaugrüne Dächer und Straßen können helfen, mit Regenwasser richtig umzugehen, weil es dabei nicht nur abgeleitet wird, sondern direkt vor Ort gespeichert und verzögert eingesetzt werden kann. Auch beim Umgang mit der grauen Energie oder bei der Gestaltung der Gebäudeform sowie der Geometrie ganzer Siedlungen kann viel getan werden.

Von der Klimaanpassung zum Klimaschutz

Wichtig dabei sei vor allem, erläutert Hans-Joachim Schellnhuber, die Wiederherstellung des Gleichgewichts im System Wald-Mineralisierung-Photosynthese-Humifizierung. Er schlägt vor, im Zuge der „Holz-Bau-Pumpe“ Wälder wieder aufzuforsten und gleichzeitig Gebäude wiederzuverwerten. Durch an sich dieses simple System können fossile Brennstoffe wieder in gebaute Wälder überführt und somit das durch die Verbrennung fossiler Energieträger und das Schlagen von Holz, also anthropogen gestörte System repariert werden.

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