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Facing the Future: Was in drei bis fünf Jahren relevant und baubar sein wird

Neue Werkzeuge und Materialien eröffnen ArchitektInnen und PlanerInnen neue Möglichkeiten. Wohin kann das in naher Zukunft führen? Unser Autor Thomas Geuder fasst die entsprechenden Vorträge zusammen.

Mit der Veranstaltung „Facing the Future“ will das „Forum Zukunft des Bauens“ traditionell einen Blick in die Zukunft wagen. Es soll jedoch nicht um Science-Fiction gehen, sondern um das, was in drei bis fünf Jahren relevant und baubar sein wird. Der kurze Zeithorizont dient bewusst der Kontrollier- und auch Diskutierbarkeit. Die Themen der diesjährigen Vorträge reichten von der Gebäudetechnik und dem Energiemanagement über die Digitalisierung des Bauwesens bis hin zur neuen Nutzung bekannter Materialien. Im Raum steht dabei stets die Frage, ob und wie sich die Architektur und mit ihr die Arbeit der ArchitektInnen künftig verändern wird.

Das Bauwesen befindet sich seit einiger Zeit in einem deutlich spürbaren Wandlungsprozess. ArchitektInnen und PlanerInnen haben es dabei mit immer neuen Werkzeugen, Materialien und auch Rahmenbedingungen zu tun. Angetrieben wird der Wandel vor allem durch die Digitalisierung, die mittlerweile die gesamte Branche erfasst und durchdrungen hat. Bauschaffende müssen sich deshalb heute schon den Herausforderungen stellen, um für die Zukunft gewappnet zu sein.

Vom digitalen Bauen zum digitalen Raum

Die digitale Planung und Umsetzung eröffnen ungeahnte Möglichkeiten im Bauwesen: Dreidimensionale Fassaden aus Backstein, faltbare Holzkonstruktionen oder elastische Stahlfeder-Verkleidungen aus mehrfach gekrümmten Lamellen, die im Zusammenspiel mit Licht und Perspektive ein hologrammartiges Muster auf die Fassade zaubern, sind heute keine Unmöglichkeit mehr. Auch die Entwicklung wiederholbarer und ressourcenoptimierter Tragswerksgeometrien ist mit digitalen Planungswerkzeugen möglich. Künftig kann Architektur sogar rein virtuell und interaktiv erlebt werden, wodurch sich der Begriff des Raums und damit die Rolle des Architekten gänzlich verändern wird.

High-Tech, Low-Tech und Energiemanangement

Auch der Bereich der Gebäudetechnik hat sich enorm verändert. Die Technologisierung hat große Energieeinsparpotenziale gebracht. Mittlerweile stellt sich aber die Frage, wie viel Technik tatsächlich nötig ist, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Forschungsergebnisse zeigen, dass ein Mehr an Technik nicht die beste Lösung ist. Vielmehr muss über die Interaktion zwischen Technik und Architektur nachgedacht werden. Es geht um die Frage nach der Robustheit eines Gesamtsystems, in dem High- und Low-Tech sinnvoll miteinander verknüpft werden. Wichtig wird auch die intelligente, flexible und ressourceneffiziente Steuerung der Energieströme (vor allem aus erneuerbaren Energien) sein, um so zur CO2-Reduktion beizutragen.

Neue alte Materialien

In Zukunft wird Holz eine zentrale Rolle im Bauwesen einnehmen, denn Holz ist in vielerlei Hinsicht ein idealer Baustoff. Seit der Erfindung von Brettsperrholz (CLT) ist dessen Leistungsfähigkeit enorm gestiegen. Zahlreiche gebaute Beispiele wie etwa das Projekt SKAIO von Kaden+Lager Architekten zeigen, wie vielfältig das Bauen mit Holz sein kann. Das Bauen mit Holz wird in Zukunft also (bald) ganz normal sein. Noch einen Schritt weiter geht das Bauen mit einem Baustoff, der aus Holz hergestellt wird: Papier. Die Forschung mit diesem für das Bauwesen neuen Baustoff ist zwar noch jung. Wer aber das Papier als funktionsoptimiertes Holz denkt, dem erschließen sich ganz neue Wege.

Utopien des neuen Bauens

Die Digitalisierung, neue Möglichkeiten des Bauens, klimatische Zusammenhänge und eine sich verändernde Gesellschaft werden dazu führen, dass wir Architektur, Städtebau und damit das Zusammenleben neu denken müssen. Eine Gemeinschaft setzt sich immer auch aus individuellen Bedürfnissen und Lebenswegen zusammen. Darauf müssen die Architektur und der Städtebau reagieren. Es geht um die Individualität, vereint in der Kollektivität. Winy Maas (MVRDV) nennt das: From egoism to wegoism. Es wird darum gehen, durch die gebaute Umwelt eine Umgebung zu schaffen, die für Mensch und Natur gleichermaßen funktioniert. Gebaute Strukturen werden grüner werden müssen, auch vor dem Hintergrund des Klimawandels. Die Stadt der Zukunft ist radikal begrünt, Pflanze und Bäume wachsen auf, an und in Gebäuden. Sie wird ein lebendiger, biologischer Organismus sein, in dem alle Platz finden.

Referenten:

  • Prof. Thomas Auer (TU München / Transsolar)
  • Prof. Dr.-Ing. Ulrich Knaack (TU Darmstadt / TU Delft)
  • Markus Lager (Kaden+Lager Architekten, Managing director / Owner)
  • Dipl. Architekt Friedrich Ludewig (ACME, Gründungsdirektor)
  • Winy Maas (MVRDV, Gründungspartner / leitender Architekt)
  • Phillipe Rahm (Philippe Rahm architectes, Chefarchitekt)
  • Dr. Ing. Alexander Rieck (Lava Laboratory for Visionary Architecture, Architekt, Gründer)
  • Dr.-Ing. Jens Schneider (TU Darmstadt / TU Delft)
  • Prof. Tobias Walliser (Lava Laboratory for Visionary Architecture, Architekt, Gründer)

Thomas Geuder | Der Raumjournalist

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