Das Handwerk hat einfach viel zu bieten

Interview mit den Goldmedaillengewinnern Alexander Bruns und Janis Gentner

Sie sind die Aushängeschilder des deutschen Bauhandwerks: die Mitglieder des Nationalteams des deutschen Baugewerbes. Der Zimmerer Alexander Bruns und der Fliesenleger Janis Gentner gewannen bei den Weltmeisterschaften im August im russischen Kasan jeweils Gold. Wir unterhielten uns mit den beiden Gesellen über den Beruf, den Erfolg und die Zukunft.

Zimmerer Alexander Bruns beim Feiern © WorldSkillsGermany / Anja Jungnickel

Das Interview

Bester Fliesenleger der Welt, bester Zimmerer der Welt. Wie fühlt sich das an?

Bruns: Das Gefühl ist, auch heute noch, einfach unbeschreiblich. Ich bin extrem stolz darauf, was ich erreicht habe. Das viele Training und die Anstrengungen haben sich gelohnt.

Gentner: Es ist ein unglaublich tolles Gefühl, auch das Handwerk damit in der Öffentlichkeit hervorzuheben. Das ist für mich eine große Ehre. Natürlich merke ich auch, dass ich als Handwerker selbst mit ganz anderen Augen angeschaut werde.

Hat sich Ihr Leben, privat oder beruflich, durch die WM-Titel verändert?

Bruns: Verändert ist vielleicht etwas über­trieben. Aber insbesondere direkt nach den World­Skills war der Kalender schon voll mit Terminen. Es gab viele Veranstaltungen, bei denen ich dabei sein durfte und über meine Erfahrung bei den WorldSkills sprechen durfte. Natürlich habe ich auch extrem viel Anerkennung von vielen Seiten bekommen.

Gentner: Durch den Weltmeister-Titel ist natürlich ein besonderes Interesse da. Dadurch gibt es viele Termine neben der eigentlichen Arbeit. Man bekommt viele Eindrücke von anderen Geschäftsfeldern und diese Abwechslung ist schon sehr cool.

Fliesenleger Janis Gentner bei der Arbeit © FFN / Küttner

Herr Gentner: Für Fliesenleger gilt ab diesem Jahr wieder die Meisterpflicht. Wie ist Ihre Einschätzung dazu?

Gentner: Ich finde es richtig, dass das Fliesenlegerhandwerk wieder die Meisterpflicht hat. Das Handwerk ist anspruchsvoll und braucht deswegen ein gesichertes Ausbildungssystem mit klaren Standards. Gute Handwerker sind heutzutage schwer zu bekommen. Erstens, weil die Auftragslage ­aktuell sehr gut ist, und zweitens, weil der Nachwuchs fehlt. Immer mehr junge Leute entscheiden sich für ein Studium. Was spricht Ihrer Ansicht nach für eine Ausbildung im Handwerk?

Bruns: Handwerk ist modern. Alte Vorurteile werden aus dem Weg geräumt. Der Berufsalltag im Handwerk wird einfach nie langweilig. Man steht jeden Tag vor neuen Herausforderungen. Das Handwerk hat einfach viel zu bieten. Zum einen wird in vielen Berufen die Tradition hochgehalten und alte Arbeitsweisen sterben nicht aus; gleichzeitig können wir heute ganze Bauwerke mit hochmodernen Maschinen bis ins kleinste Detail planen. Das macht das Handwerk so einzigartig.

Gentner: Wir haben immer noch das Pro­blem, dass die gesellschaftliche Wahrnehmung stark auf das Studium fokussiert ist. Dabei wird unterschätzt, wie hochwertig und professionell die Tätigkeiten im Handwerk sind. Und letztlich bleibt es dabei: Auch Akademiker brauchen Häuser, in denen sie wohnen können.

Sie haben in jungen Jahren schon viel erreicht. Welches sind mittel- und langfristig Ihre beruflichen Ziele?

Bruns: Ich bin derzeit auf der Meisterschule in Kaiserslautern. Dort mache ich meinen Meisterbrief und bin im Sommer 2020 fertig. Dann will ich als Meister in einem Betrieb arbeiten und Erfahrungen sammeln – was danach kommt, wird sich zeigen.

Gentner: Zunächst will ich die Meister­schule abschließen und den Meisterbrief erhalten. Später könnte ich mir dann vorstellen, in die Selbstständigkeit zu gehen und ein eigenes Unternehmen zu führen.

WorldSkills 2019

1.354 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus über 63 Nationen und Regionen haben vom 22. bis 27. August 2019 in Kasan bei der WM der Berufe in 56 verschiedenen Wettbewerbskategorien um Medaillen gekämpft.

Präzision und Genauigkeit sowie Nervenstärke und Konzentration entschieden über Gold, Silber und Bronze. Rund 250.000 Besucher und Besucherinnen haben an den vier Wettbewerbstagen den jungen Wettkämpfern über die Schulter geschaut.

39 deutsche Teilnehmerinnen und Teilnehmer starteten in 34 Berufen. Dazu gehörten auch die sechs Mitglieder in fünf Disziplinen aus dem Nationalteam des Deutschen Baugewerbes.


Veröffentlicht am 20. April 2020