Sonderthema Corona

Die Baubranche nach Corona - wie geht's weiter?

Die weltweite COVID-19 Epidemie belastet uns alle. Ganz persönlich im Alltag, in der Sorge um unsere Familien, um Freunde und Verwandte. Gesundheit ist unser wichtigstes Gut. Wir sind in Gedanken bei allen Betroffenen.

Die COVID-19 Epidemie belastet uns aber auch beruflich, in Bezug auf die Zukunft der Branche und die Sicherheit unserer Arbeitsplätze.

Natürlich greift die BAU dieses Thema auf: Die Baubranche nach Corona: wie geht’s weiter? Auf der BAU werden wir dazu Analysen, Fallbeispiele und mögliche Lösungswege präsentieren. Denn wir verstehen uns als Ihr Partner. Nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Zeiten.

Vor diesem Hintergrund sagen wir Danke für das Vertrauen, das uns viele unserer Aussteller und Partner entgegenbringen. Stärken Sie uns weiter den Rücken für eine gelungene BAU und ein ebenso positives Geschäftsjahr 2021. Wir bekommen das gemeinsam hin.

Ihr BAU Projektteam

Corona – Quo vadis Baubranche

Die Corona Pandemie hat in den vergangenen Monaten Gesellschaft und Wirtschaft völlig unvorbereitet getroffen. Über die langfristigen Auswirkungen auf die einzelnen Branchen kann man derzeit nur spekulieren. Aussagekräftige Prognosen hierzu werden vermutlich erst in einigen Monaten oder sogar Jahren möglich sein. Spürbar sind jedoch bereits die kurzfristigen Auswirkungen auf die Wirtschaft. Lockdown sowie Kurzarbeit haben national wie international ihre Spuren hinterlassen. Wie auch andere Wirtschaftsbereiche stellen sich die Verantwortlichen in der Baubranche nun die Frage, wie es nach der Corona Krise weitergeht.

ifo Geschäftsklimaindex auf niedrigstem Wert aller Zeiten

Der Blick auf den ifo Geschäftsklimaindex löst derzeit keine großen Jubelstürme in der deutschen Wirtschaft und der Baubranche aus. Im April ist der Wert laut ifo Institut von über 85 Punkten auf 74 Punkte abgestürzt. Dies ist der niedrigste jemals gemessene Wert. Einen stärkeren Rückgang hat es bisher noch nicht gegeben. Die Unternehmen blickten zudem noch nie so pessimistisch auf die kommenden Monate. Die Corona Krise trifft die deutsche Wirtschaft mit voller Wucht.

Betrachtet man die Daten für das Bauhauptgewerbe zeigt sich nahezu das gleiche Bild. Auch dort ist der Index noch nie so stark gesunken. Im März lag der Wert noch bei +5 Punkten, im April fiel dieser auf -17,5 Punkte.

Corona und die Folgen für das Baugewerbe

Wie wirkt sich Corona konkret auf das Baugewerbe aus? Hierzu hat der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) seine Mitglieder befragt. 40 Prozent der Bauunternehmen geben in der Befragung an, dass sie bereits von Auftragsstornierungen betroffen sind, weitere 30 Prozent verzeichnen Umsatzrückgänge. Außerdem berichtet fast die Hälfte der befragten Unternehmen (43 Prozent) von Lieferengpässen.

Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ZDB fordert daher ein deutliches Zeichen aus der Politik: „Noch gelingt es den Bauunternehmen größtenteils, den Baustellenbetrieb unter großen Anstrengungen aufrechtzuerhalten. Damit leisten die Bauunternehmen unter erschwerten Bedingungen einen wichtigsten Beitrag zur Sicherung der Binnenkonjunktur. Daher brauchen wir jetzt gezielte Impulse zur Stützung der Konjunktur.“

In dieselbe Kerbe schlägt auch Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie: „Die Baubetriebe sind zwar mit einem sehr hohen Auftragsbestand in das neue Jahr gestartet, wir befürchten aber, dass dieser zunehmend abschmilzt. Schließlich berichtet jedes vierte Bauunternehmen von Stornierungen, 45 Prozent von sinkender Nachfrage bzw. fehlenden Ausschreibungen, vor allem im kommunalen Bereich.“

Noch profitiert die Baubranche in der aktuellen Situation sehr stark vom Boom der vergangenen Jahre. Volle Auftragsbücher sichern auch in Zeiten der Corona Krise Umsätze und Arbeitsplätze. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Wirtschaftsbereichen sind gewerbliche Bauprojekte nicht vom Lockdown betroffen. Daher geht der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie für das Jahr 2020 lediglich von einer Stagnation der nominalen Umsätze von 2019 aus. In Zeiten von Corona eine durchweg positive Nachricht.

Ebenfalls optimistische Stimmen in Bezug auf die weitere Entwicklung kommen aus Österreich. So sieht Strabag-Chef Thomas Birtel keine Probleme im Infrastruktur- und Wohnbau: „Die Folgen der Krise für die langfristige Auftragslage der Bauunternehmen dürften im Gegensatz zu manch anderen Branchen relativ überschaubar sein.“ Stefan Graf, CEO von Leyrer + Graf, meint: Die Baubranche ist in dieser Hinsicht allerdings eine dankbare Branche, denn gebaut wird immer werden und speziell nach Zeiten von Krisen wurde immer schon viel in Infrastruktur investiert und das kommt uns natürlich zugute.“

Corona Pandemie wird zukünftige Architektur beeinflussen

Neben dem Bau- und Ausbaugewerbe sowie Bauunternehmen sind auch Architekten von den Auswirkungen durch Corona betroffen. In einer aktuellen Befragung des Bund Deutscher Architekten (BDA) unter seinen Mitgliedern gibt zwar fast die Hälfte an, derzeit noch keine finanziellen Probleme zu spüren. Jedoch betont ein Drittel der Befragten, dass ein länger andauernder Lockdown sie vor größere Herausforderungen stellen würde. Um den Planern eine Perspektive zu geben, stellt BDA Präsidentin Susanne Wartzeck eine klare Forderung: „Von der Immobilienwirtschaft, vor allem aber vom öffentlichen Sektor erwarten wir ein geordnetes Weiterbetreiben des Vergabe- und Wettbewerbswesens und überhaupt eine Fortführung bestehender Bau- und Investitionsplanungen, statt auf die Bremse zu treten.“ In diesem Zusammenhang ergänzt Wartzeck noch, dass aufgelegte Konjunkturprogramme in die Zukunft gerichtet sein müssen und sich diese an der Qualität der Architektur und Stadtplanung sowie den Anforderungen des klimagerechten Bauens messen lassen müssen.“

Einen Schritt weiter geht der Architekt Zhu Xiaofeng (Büro Scenic Architecture) aus Shanghai. Für ihn steht die Architektur vor einer völlig neuen Herausforderung: „Unser gegenwärtiges Interesse war es, neue Räume für Gemeinschaften zu entwickeln. Doch von nun an müssen wir umdenken. Daher müssen die Architekten die Frage beantworten, welche Art von Raum flexibel genug für Versammlung und Abtrennung ist.“

Für Tan Gangyi, Architekt aus Wuhan, wirkt sich die Corona Pandemie auch positiv auf Architektur und Bauwesen aus: „Fernüberwachung und VR-Technologie, insbesondere nach der Einführung von 5G- und anderen Technologien, hat nicht nur einen großen Einfluss auf das Design, sondern auch auf die Architektur selbst. Die Produktion und Verteilung von Wissen wird sich ändern, und die Kombination von online und offline in der Architekturausbildung und im Architekturdesign wird immer gängiger.“

Welche Ideen und Lösungen die Baubranche nach Corona bietet, zeigt die BAU – Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme, vom 11. bis zum 16. Januar 2021 in München.