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Themenwelten von BAU Insights

Da mehr als ein Drittel der EU-weiten Treibhausgasemissionen auf das Konto der Baubranche geht, ist die Verantwortung besonders groß. Für Neubauten gelten heutzutage strenge Richtlinien, die den Nachhaltigkeitsprinzipien folgen. Doch der größere Hebel liegt im Bestand. Um die kulturelle Identität zu wahren und den Verbrauch weiterer Emissionen einzudämmen, müssen für den Bestand und eine flexible Um- und Weiternutzung kluge Konzepte von allen am Bau Beteiligten umgesetzt werden.

Die Digitalisierung der Baubranche ist vielschichtig: Es geht um digitale Tools, Prozessautomatisierung und die digitale Projektkommunikation. Auch die Datenmengen aus Bauprozessen werden dank Digitalisierungswelle heute effizient über Cloud Computing organisiert und strukturiert. Schlagworte zu praxisnahen Innovationen hierzu sind u.a.:

- BIM als Leittechnologie im modernen Bauwesen
- Internet of Things (IoT) als Grundlage für die autonome Baustelle
- Robotik und 3D-Drucktechnologie im Bau.

Der globale Klimawandel macht sich in den letzten Jahren immer deutlicher mit Hitzewellen, Waldbränden, Überflutungen, Starkregen und Unwetter bemerkbar. Das hat massive Auswirkungen, auch auf die Bauwirtschaft. Neue Lösungen sind notwendig, um Gebäude und ganze Städte resilienter zu gestalten und die Energiewende voranzutreiben. Für alle Experten der Planungs- und Baubranche ist es daher besonders wichtig, die zum Klimawandel führenden Faktoren zu beobachten und die Herausforderungen frühzeitig zu erkennen.

Flexibel, nachhaltig, günstig, schnell: Das modulare, serielle Bauen unter Einsatz der industriellen Vorfertigung gilt in der Branche als vielversprechende Allzweckwaffe gegen fehlenden Wohnraum, langwierige Planungs- und Bauprozesse, Material- und Fachkräftemangel. Aus digitalen Daten entstehen am Computer standardisierte, frei kombinierbare Bausätze, die in der Fabrik vollautomatisch zusammengebaut werden. Die Vorteile dieser Art des Bauens sind vielfältig: mehr Planungssicherheit, geringere Bauzeit, geringere Abhängigkeit von Witterungseinflüssen, Kosteneinsparungen, weniger Schutt auf der Baustelle, weniger Lärm vor Ort und weniger Baumängel aufgrund besserer Qualitätssicherung.

Die Bauindustrie hat die Chance, mit Hilfe von nachhaltigem Planen und Bauen den Klimawandel einzudämmen. Die drei Säulen der Nachhaltigkeit beinhalten

  • die Minimierung des Energie- und Ressourcenverbrauch sowie des Flächenverbrauchs (Ökologie)
  • die Optimierung der Kosten inklusive Bau- und Nutzungsausgaben für Erneuerungs- und Wartungszyklen sowie Investitionen (Ökonomie)
  • Sustainable constructionThe construction industry has an opportunity to help mitigate climate change through sustainable design and construction. The three pillars of sustainability include- minimizing energy and resource consumption and land use (ecology)- the optimization of costs including construction and utilization expenditures for renewal and maintenance cycles as well as investments (economy)- the urban or landscape organization of social and cultural systems with a view to future generations (social)die städtebauliche oder landschaftsräumliche Organisation von sozialen und kulturellen Systemen mit Blick auf zukünftige Generationen (Soziales)

Um der Rohstoff- und Baustoffknappheit entgegenzuwirken, sind neue Verordnungen bereits auf dem Weg. Laut der europäischen Bauprodukteverordnung sollen rezyklierbare und durch Recycling gewonnene Materialien häufiger verwendet werden als konventionelle Baustoffe. Obwohl das Potenzial für Rezyklate erkannt ist, kommt Recycling von Baumaterialien noch zu selten zum Einsatz. Neben der sortenreinen Produktentwicklung und Planung, müssen die Wertschöpfungsketten überdacht werden, um ökonomisch und ökologisch so nachhaltig und effizient wie möglich transformiert zu werden.

Die Zukunft des Bauens ist ohne Innovationen und neue Geschäftsmodelle durch mutige Entrepeneure nicht umsetzbar. Dazu gehört die Präsentation der junge Unternehmen mit ihren Lösungen und Produkte für das Bauen von morgen, ebenso wie eine Start-up Innovation Challenge.

Einen Ausblick auf die Baubranche von morgen gibt auch der Innovation Hub. Neben Impulsen zu zukunftsweisenden Innovationen ist die Präsentation aktueller Forschungsprojekte aus den Universitäten und Hochschulen in der Bandbreite von nachhaltigen Materialien bis zum robotergestützten Rückbau ein wichtiger Beitrag für die Zukunft.

Die Baubranche verbraucht so viel Ressourcen und produziert so viel Abfall wie kein anderer Industriesektor. Klimawandel, Materialengpässe und Ressourcenknappheit verstärken zusätzlich den Druck, einen Paradigmenwechsel einzuleiten: weg von der linearen, hin zur Circular Economy. Denn die Kreislaufwirtschaft zielt darauf ab, so zu planen und zu bauen, dass möglichst wenig Müll entsteht und Materialien nicht einfach entsorgt, sondern wieder verwendet werden. Dahinter steht das aus der Natur entlehnte Prinzip Cradle-to-Cradle (von der Wiege zur Wiege), nach dem Produkte und Rohstoffe in theoretisch unendlichen Kreisläufen zirkulieren und dabei keine Abfallprodukte bilden.

Aus Rohstoffen, die der Natur abgerungen werden, entstehen neue Gebäude, die nach ihrer Nutzung wieder abgerissen und entsorgt werden: Diese über Jahrhunderte hinweg gängige Praxis kann sich die Bauwirtschaft nicht mehr leisten. Aus dieser Herausforderung entstehen neue Lösungen für die Zukunft des Bauens. Angefangen von dem Umgang mit dem Bestand, dem Konzept des zirkulären Bauens, das die Mehrfachnutzung und Wiederverwertung von Bauteilen und -Materialien in einem möglichst geschlossenen Kreislauf propagiert, bis zur Entwicklung neuer Baustoffe und der Wiederentdeckung von nachwachsenden Rohstoffen als Ressource für die Zukunft des Bauens.

Die Mietpreise steigen, das Bauland wird immer knapper und gesellschaftliche Entwicklungen fordern neue Wohnkonzepte. Denn laut einer Studie der UNO wächst die globale Gesellschaft im Allgemeinen zwar etwas langsamer, bis 2050 aber auf 9,7 Milliarden Menschen an. Es wird demnach immer bedeutender, Bestandsimmobilien anders oder vielmehr weiter zu nutzen oder aufzustocken. Zudem sind ressourcenschonende, nachhaltige Wohnkonzepte und Strategien zur Nachverdichtung von ungenutzten Flächen gefragter denn je.

Damit Gebäude vor extremen Wetterlagen Schutz bieten können, müssen sie stabil und massiv gebaut sein. Robust bauen lautet das Stichwort. Konzepte, die Starkregen in flächenversiegelten Städten bewältigen können, sind gefragt. Denn versickerungsfähige Verkehrsflächen, urbane Grünflächen oder begrünte Dächer können das Regenwasser kurzzeitig speichern oder gezielt versickern lassen, um das Kanalnetz zu entlasten. Sogenannte „Schwammstädte” sind zukunftsweisend.

Wie in jeder Branche spielt die Förderung und Ausbildung des Nachwuchs eine wichtige Rolle, da er die zukünftige Generation von Fachkräften und Führungskräften darstellt. Wie kann die Baubranche und deren Berufsbilder über die Ausbildungsmethoden und Technologien, eine faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen attraktiv bleiben? Welche Wege gehen junge Architekturbüros, um innovative Konzepte und Lösungen zu entwickeln, die abseits der etablierten Wege eine nachhaltige, innovative und zukunftsorientierte Richtung aufzeigen?