Weiterbauen statt Neubau: DAM Preis 2026 geht an das ZK/U Berlin

DAM Preis 2026 – Die besten Bauten in/aus Deutschland

Eine ehemalige Güterbahnhofshalle, eine ephemere Stahl-Glas-Hülle und Baukosten von nur rund 2.000 Euro pro Quadratmeter: Das von Peter Grundmann Architekten geplante ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin-Moabit gewinnt den DAM Preis 2026.

Wohnungsbau, Sozial- und Bildungsbauten dominieren

Zum zehnten Mal vergab das Deutsche Architekturmuseum (DAM) den Preis in Zusammenarbeit mit JUNG. Weil er keine bestimmte Bautypologie, Mindestgröße oder Bausumme voraussetzt und auf einer breiten Recherche mit regionalem Beirat fußt, bildet die jährliche Shortlist keine kuratierte Idealvorstellung ab, sondern das tatsächlich Gebaute – und was davon als bemerkenswert gilt. Der Jahrgang ist damit immer ein Dokument seiner Zeit. 2026 liest er sich eindeutig: kein Repräsentationsbau, kein Museumsneubau als Landmark, keine Corporate Architecture. Stattdessen geförderter Wohnungsbau, eine Obdachlosenunterkunft, gemeinschaftliches Wohnen, eine Schule, ein Kulturzentrum in einer umgenutzten Industriehalle. Dazu eine Häufung von Holz- und Holzhybridbauten sowie von Projekten, die im Bestand arbeiten oder Bestandsteile integrieren. Architektur, die sich mit Ressourcen, Nutzungsoffenheit und sozialer Wirkung auseinandersetzt.

Aus einer Longlist von rund 100 Bauwerken – fertiggestellt zwischen Ende 2023 und Frühjahr 2025 – wählte eine Expertenjury unter Vorsitz der Leipziger Architektin Aline Hielscher fünf Projekte für die engere Auswahl, die vor Ort besichtigt wurden.

Engere Auswahl: Innovative Wohn- und Sozialprojekte

Aretz Dürr Architektur realisierten in Köln mit „Wohnen F//9" eine modulare Nachverdichtung in einer innerstädtischen Baulücke: 32 vorgefertigte Brettsperrholzmodule wurden innerhalb von zehn Tagen per Autokran gestapelt, Treppenhaus und Aufzugsschacht waren vorinstalliert. In München realisierte das Büro etal. das Mehrgenerationenhaus Görzer Straße 128, ein Neubau im Kontext des Mietshäuser Syndikats. Der Holzbau mit heimischer Fichtenholzschalung organisiert sieben annähernd gleich große Zimmer je Geschoss um einen Sanitärkern; eingeplante Wanddurchbrüche ermöglichen wechselnde Wohnkonstellationen.

Ebenfalls in München entstand nach Plänen von Hild und K Architekten ein Übernachtungsschutz mit medizinischer Einrichtung für 730 Personen: Betonskelettstruktur mit vorgefertigten Holzrahmenelementen, fingerartige Gebäudetypologie mit zentralem Verteilerhof, begrünte Photovoltaikdächer. PPAG Architects realisierten mit der Doppelschule Allee der Kosmonauten in Berlin-Marzahn einen fünfgeschossigen Massivbau für 1.600 Schülerinnen und Schüler. Die Holzrahmenfassade ist mit profiliertem Aluminium verkleidet; das Compartment-Konzept gliedert das Gebäude in räumliche Cluster für jeweils bis zu 100 Lernende, zwei übereinanderliegende Dreifachsporthallen bilden den baulichen Kern.

Haus vom DAM Preis 2026
© Luca Claussen Fotografie
Aretz Dürr ArchitekturWohnen F // 9 - Modulare Nachverdichtung in Köln
DAM Preis 2026, Das robuste Haus, München
© Federico Farinatti Fotografie
etal.Das robuste Haus – Mehrgenerationenhaus Görzer Straße, München
DAM Preis 2026, Haus
© Michael Heinrich
Hild und KÜbernachtungsschutz mit medizinischer Einrichtung, München
Haus mit Sportanlage
© janbitter.de
PPAG architectsDoppelschule Allee der Kosmonauten, Berlin
Haus vom DAM Preis 2026
DAM Preis 2026, Das robuste Haus, München
DAM Preis 2026, Haus
Haus mit Sportanlage

Der Gewinner: Bestandserweiterung des ZK/U in Berlin-Moabit

Den DAM Preis 2026 erhalten Peter Grundmann Architekten für das ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik in Berlin-Moabit, einem Projekt der Bestandserweiterung im Berliner Westen. Ausgangspunkt war die seit 2012 bestehende Nutzung einer ehemaligen Güterbahnhofshalle durch den Verein KUNSTrePUBLIK e.V.

Das Entwurfskonzept belässt den eingeschossigen Hallenbestand weitgehend unverändert und ergänzt ihn um eine zweite, ephemere Raumschicht aus Glas und Stahl. Diese äußere Hülle übernimmt den Wärmeschutz und erfüllt die energetischen Anforderungen – und kommt dabei ohne zusätzliche Dämmebene aus. Auf der Eingangsseite entstehen Foyer und Windfang, zur Gartenfront ein sechs Meter tiefer Pufferraum mit Barbereich. Das neue Obergeschoss liegt auf einer vorgespannten Decke; zurückgesetzte Fassaden sorgen für sommerlichen Sonnenschutz und bilden einen umlaufenden Laubengang, der sämtliche Nutzungseinheiten erschließt. Nach unten ergänzt ein Gewölbekeller mit Ausstellungsfläche das Raumprogramm, nach oben eine Dachterrasse.

Bemerkenswert sind die Gesamtkosten: rund 2.000 Euro pro Quadratmeter. Peter Grundmann, ausgebildeter Schiffsbauer, fertigte Teile der komplexen Fassadenanschlüsse selbst – um Qualität und Kosten gleichermaßen in der Hand zu behalten. Bestehende, nicht mehr lasttragende Wandscheiben blieben erhalten; neue Lasten werden bewusst ablesbar über ergänzte Stützen abgetragen.

DAM Preis 2026 – Die besten Bauten in/aus Deutschland
© Yizhi Wang
Peter Grundmann ArchitektenZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
DAM Preis 2026 – Die besten Bauten in/aus Deutschland
© Yizhi Wang
Peter Grundmann ArchitektenZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
DAM Preis 2026 – Die besten Bauten in/aus Deutschland
© Yizhi Wang
Peter Grundmann ArchitektenZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
DAM Preis 2026 – Die besten Bauten in/aus Deutschland
© Yizhi Wang
Peter Grundmann ArchitektenZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
DAM Preis 2026 – Die besten Bauten in/aus Deutschland
© Yizhi Wang
Peter Grundmann ArchitektenZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
DAM Preis 2026 – Die besten Bauten in/aus Deutschland
© Yizhi Wang
Peter Grundmann ArchitektenZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin
In maximaler Qualität herunterladen
DAM Preis 2026 – Die besten Bauten in/aus Deutschland
DAM Preis 2026 – Die besten Bauten in/aus Deutschland
DAM Preis 2026 – Die besten Bauten in/aus Deutschland
DAM Preis 2026 – Die besten Bauten in/aus Deutschland
DAM Preis 2026 – Die besten Bauten in/aus Deutschland
DAM Preis 2026 – Die besten Bauten in/aus Deutschland

Ausstellung bis Mai 2026

Alle 23 Bauten der Shortlist sind bis zum 10. Mai 2026 im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main zu sehen, ergänzt um zwei Projekte im Ausland. Das begleitende Deutsche Architektur Jahrbuch 2026 erscheint bei DOM publishers.

DAMPreis2026 Ausstellung
© Moritz Bernoully

Das könnte Sie auch interessieren

Zum Seitenanfang